Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Geschichte des KDA - Anfänge

10. Der 3. Lehrgang für Arbeitnehmer

Was begonnen wurde, wurde intensiv fortgeführt. Es sprach sich schneller als erwartet herum, dass hier ein neuer Zweig kirchlichen Dienstes im Werden war, der sowohl für die Gemeinden und die Kirche insgesamt als auch für die Menschen und das Geschehen in der Arbeitswelt verheißungsvoll begonnen wurde. Dr. Feller selbst scheute keine Mühe, um ringsum im Lande auf Synoden, Konventen, Gemeindeabenden und in Männerkreisen für das Arbeiterwerk zu werben. Wie sehr sich diese Mühe gelohnt hat, ist wiederum in und zwischen den Zeilen eines Berichtes über den 3. Lehrgang für Arbeitnehmer zu lesen, der vom 25. - 30. Juni 1951 im Martins-Haus in Rendsburg stattfand. Wir zitieren aus diesem Bericht ausführlicher, weil er für den Fortgang der Arbeit im Sinne Dr. Fellers charakteristisch ist: "Es war eine Freude, sich den Kreis allmählich sammeln zu sehen; denn der Großteil der Eintreffenden bestand aus jüngeren, frischen, offenbar aufgeschlossenen Männern. Etwa die Hälfte der Anwesenden war unter 40 Jahre alt & Von besonderer Wichtigkeit scheint mir zu sein, dass 2/3 der Anwesenden gewerkschaftlich organisiert war. Auch einen Betriebsratsvorsitzenden und ein Betriebsratsmitglied hatten wir unter uns. Das Verhältnis von Arbeitern zu Angestellten war 50 : 50, 14 Männer waren arbeitslos. Beim Aufstellen der Tagungsfolge hatte ein früherer Lehrgangsteilnehmer - ein Arbeiter auf einer Werft in Kiel-Friedrichsort, der zugleich Betriebsrat ist - maßgeblich mitgearbeitet. Die Kirchenleitung – die Besprechung fand im Landeskirchenamt statt – hat dieser Tatsache Gewicht beigemessen. Wie ringen wir doch in der Kirche allenthalben um die Mitarbeit von Arbeitern. Hier war sie einmal nicht Farce, sondern ausschlaggebend. Und dann schreibt Feller mit besonderer Betonung: Das Interessante: Das Programm ist zentraler ausfallen als das vorige Mal. Es war z.B. ein ganzer Tag der Bibel gewidmet. Nach der Bibelarbeit trug Professor Dr. D. Hertzberg über die Frage vor: Lohnt es sich heute in der Bibel zu lesen? –  und leitete die anschließenden Aussprache. Und am Nachmittag beschäftigten wir uns unter Leitung von Dr. Krapp mit der Frage: Wie lese ich in der Bibel? Ein Nachmittag und Abend stand zur Aussprache unter dem Motto: "Was uns an der Kirche nicht gefällt" zur Verfügung. Die Leitung hatte Pastor Schumann-Brokstedt. Aus der Fülle der bemerkenswerten Einwände kann ich aus Raumnot nur einiges wiedergeben. Von der Predigt wurde verlangt, dass man ihr vom ersten bis letzten Satz zu folgen vermöge ... Im Übrigen müsse man eine Gliederung erkennen, die es einem ermögliche, sich selbständig die Gedankenführung ins Gedächtnis zu rufen. Die Predigt soll wachrütteln. Der Jesuitenpater Leppich, der anlässlich der Kieler Woche zu Wort gekommen ist, wurde als Beispiel angeführt. Die Predigt dürfe ruhig derbe Worte enthalten, sie müsse zeitnah und bildhaft sein. Die Pastoren müssten Rücksicht darauf nehmen, dass ein Teil ihrer Gemeinde nicht gewohnt sei, geistig schwere Kost zu sich zu nehmen. Im Übrigen hätte ein Teil der Kirchenbesucher während der Woche schwere körperliche Arbeit geleistet und vermöge eine zu lange Predigt nicht auf sich zu nehmen ... Die Teilnehmer müssten fähig gemacht werden, das Gehörte weiterzugeben. Praktische Anweisungen in dieser Hinsicht sind erforderlich. Zum Schluß gab Pastor Schumann zu bedenken, was wohl Gott an unserer Kirche nicht gefiele. Er meinte, sicherlich die ohne-mich-Christen und die christlichen Blender. Natürlich kamen auch die wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Themen und Probleme zur Sprache, doch waren diese auf einem evangelisch-sozialen Lehrgang unter dem Röntgenlicht des Evangeliums zu durchleuchten.