Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Cornelis de Jager

Zeit des Aufbruchs

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Pastor Cornelis de Jager

Cornelis de Jager, später Pastor in Gettorf und Schinkel, war der erste Sozialsekretär des Arbeiterwerkes der Männerarbeit in Schleswig-Holstein. Der gelernte Journalist, 1924 im niederländischen Limburg geboren, lebte mit seiner Familie in Belgien und im Rheinland. Nach dem 2. Weltkrieg kam er nach Norddeutschland, arbeitete in einer Möllner Textilfabrik. Als Leiter des gewerkschaftlichen Bildungswerkes "Arbeit und Leben" bekam de Jager Kontakt zur Männerarbeit. Durch seine Teilnahme an einem evangelisch-sozialen Lehrgang wurde Dr. Friedrich Feller, Leiter von Männerarbeit und Arbeiterwerk, auf ihn aufmerksam. Am 1. Juni 1955 nahm de Jager seinen Dienst auf.

Mit seinem Dienstwagen, einem dreirädrigen Messerschmidt-Kabinenroller, bereiste er von Kiel aus das ganze Land und kehrte regelmäßig erst am Wochenende zu seiner Familie nach Mölln zurück. Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren Besuche auf Werften und Landgütern sowie in den Betrieben etwa der Textil-, Metall- und Schuhindustrie. Zu dem Besuchsprogramm de Jagers zählten Gespräche mit Geschäftsleitung und Betriebsrat. Stets ging es um die Situation der Beschäftigten. In den Betrieben wurden Interessenten für die ev.-soz. Lehrgänge geworben, die mehrfach im Jahr stattfanden und jeweils rund 20 Teilnehmer für sechs Tage in Kuddewörde/Trittau oder in Glücksburg versammelten. Die Teilnahme war kostenlos. Für jene Beschäftigten, die von ihren Firmen nicht freigestellt wurde, übernahm das Arbeiterwerk sogar die Lohnausfallkosten.

Um den Kontakt zu den Teilnehmern nicht abreißen zu lassen, gründete de Jager im Auftrag Dr. Fellers in verschiedenen Städten "Ortskerne des Arbeiterwerkes". Diese Ortskerne waren so etwas wie Arbeitnehmer-Gesprächskreise. Die Mitglieder warben wiederum unter ihren Arbeitskollegen für die nächsten ev.-soz. Lehrgänge. So entwickelte sich allmählich ein Netzwerk aus Beziehungen zwischen Kirche und einer wachsenden Zahl von Beschäftigten.

Im Herbst 1958 wechselte de Jager als Geschäftsführer zum Diakonischen Werk nach Rendsburg. Seine dreijährige Tätigkeit als Sozialsekretär beschreibt er als eine Zeit des Aufbruchs. Die anfängliche Zurückhaltung der Arbeiter gegenüber der Kirche sei einer immer größeren Offenheit und Akzeptanz gewichen.

Harald Schrader