Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Johannes Schröder

Pastor Johannes Schröder

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Der erste hauptamtliche Sozialpastor

Der wachsende Umfang der Sozialarbeit ließ es angeraten erscheinen, für die bislang nebenamtlich wahrgenommene Funktion eines Sozialpastors ein Hauptamt zu schaffen. Nach entsprechenden Beschlüssen der Landessynode berief die Kirchenleitung mit Wirkung vom 1. Oktober 1955 Pastor Johannes Schröder zum schleswig-holsteinischen Sozialpastor. Seinen Dienstsitz hatte er im Landes-Kirchenamt mit dem Auftrag, "alle gesellschaftlich-sozialen Dienste der Kirche in Zusammenarbeit mit den je zuständigen Werken und Gemeinden wahrzunehmen".

Als ein besonderes kirchenpolitisches Instrument diente Pastor Schröder die landeskirchliche "Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen" (Agfa), die unter seiner Leitung klare Konturen annahm. Dr. Feller, Leiter des Arbeiterwerkes der Männerarbeit", beschreibt im Juli 1956 die Funktion der Agfa:

"Die Aktionsgemeinschaft ist der Zusammenschluß verschiedener Werke und Einrichtungen der Ev.-Luth. Landeskirche Schleswig-Holsteins, die sich mit der Verkündigung des Evangeliums in der Arbeitnehmerschaft befassen. Sie will deren gleichgerichtete Bestrebungen unterstützen, zusammenfassen, aufeinander abstimmen und stärken, umd die gemeinsame Arbeit in Betrieben und Verbänden sowie die verantwortliche Mitarbeit im sozial-politischen und wirtschaftspolitischen Raum zu fördern. Insbesondere soll durch den Zusammenschluß eine Koordination von Aktionen der verschiedenen kirchlichen Werke und Einrichtungen erreicht und gemeinsame Stellungnahmen zu einzelnen aktuellen und grundsätzlichen Fragen erarbeitet werden."

Die Tätigkeit Schröders stand unter dem Leitbegriff der "Arbeitermission". Dabei handelte es sich u.a. um drei Tätigkeitsbereiche:

  • Studienfahrten für evangelische Arbeitnehmer, vornehmlich ins Ruhrgebiet.
  • Erstmals Gottesdienste zum Tag der Arbeit (1. Mai) an mehreren Orten in Schleswig-Holstein.
  • Intensivierung der Begegnungen zwischen "Kirche und Gewerkschaft".

Pastor Pries berichtet von einer Tagung zu einem vom DGB angeregten Thema "Brauchen wir ein Menschenbild?" und resümiert:

"Es gab reichlich Gelegenheit seitens der Kirche, das theologisch-missionarische Gespräch zwischen Christen und Nicht-Christen in und mit der Gewerkschaft zu führen."

Besondere Verdienste erwarb sich Sozialpastor Johannes Schröder um die Regelung der arbeitsrechtlichen Stellung der kirchlichen Mitarbeiter in Landeskirche, Diakonie und Gemeinden unter Beteiligung der Gewerkschaften ÖTV und DAG . Nach heftigen Auseinandersetzungen und der Überwindung vielfachen Widerstandes kam es 1957 durch Beschluß der Landessynode zur ersten kirchlichen Tarifordnung, die im Raum der EKD Vorbild werden sollte für andere Landeskirche.

Nach nur zweijähriger Tätigkeit verließ Pastor Johannes Schröder am 31. Oktober 1957 das Sozialpfarramt der Landeskirche und wechselte in die Diakonie.

 

Von Harald Schrader