Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Friedrich Feller

Missions-Impuls

Feller1

Dr. Friedrich Feller

Der 12. September 1952 kann als Gründungsdatum des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) in Schleswig-Holstein gelten. Durch einen Beschluss der Kirchenleitung wurde an diesem Tag die Zusammenführung von zwei bis dahin getrennten Werken zu einem gemeinsamen Dienst verfügt: Das "Arbeiterwerk der Männerarbeit", dem Dr. Friedrich Feller vorstand, und die Evangelische Akademie, nebenamtlich geleitet von dem Schleswiger Gemeindepastor Dr. Friedrich Heyer. Der Beschluss lautete: "Es wird beschlossen, daß der kirchliche Dienst am Arbeiter beim Männerwerk liegt; ferner die bis zur Landessynode befristete Anstellung eines Arbeitersekretärs. Desgleichen soll ein Pastor der Landeskirche im Rahmen des Männerwerkes nebenamtlich mit den Aufgaben eines Sozialpastors beauftragt werden."

Kirchliche Initiativen zu "gesellschaftsbezogener Sozialarbeit" hatten, veranlaßt durch die Not der Nachkriegszeit, schon vor der Währungsreform 1948 begonnen. An der Bewältigung dringender sozialer Aufgaben waren von Anfang Personen und Gremien der Kirche beteiligt. So gibt es ein Foto von dem Protest gegen die Demontage der Werften durch die Besatzungsmacht. An der Spitze des Demonstrationszuges durch die Straßen der zerstörten Stadt ist neben Oberbürgermeister Andreas Gayk der Kieler Propst Lorenzen zu sehen, der sich engagiert in sozial- und wirtschaftspolitische Aktionen und Diskussionen einschaltete.

Der erste Beauftragte für die Männerarbeit in Schleswig-Holstein und spätere Leiter des KDA, der Jurist Dr. Friedrich Feller, war der einzige Nicht-Theologe in einem landeskirchlichen Leitungsamt. Von einem starken missionarischen Impuls beseelt, besuchte Feller die Beschäftigten in Betrieben und auf Werften. Er bemühte sich leidenschaftlich, die der Kirche entfremdeten Arbeitnehmer für den christlichen Glauben zu gewinnen. Dem dienten auch die einwöchigen ev.-sozialen Lehrgänge, die Dr. Feller, getrennt für Angestellte und Arbeiter anbot.
Charlotte Künstler, seit 1950 Sekretärin Fellers in seinem Büro in Kitzeberg bei Kiel, erinnert sich besonders gern an die Seminare mit Landarbeitern. Innerhalb weniger Tage sei es Feller gelungen, den Teilnehmern, die sich sozial minderwertig fühlten, in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und ihnen die Scheu zu nehmen, offen und frei zu sprechen.

Harald Schrader