Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Der Traum vom gelingenden Leben

Ein Beruf für's ganze Leben?! -
Zur Situation junger Menschen im Übergang von der Schule in den Beruf
 

Jesus Christus spricht:
"Habt Salz bei euch und habt Frieden untereinander" (Markusevangelium 9,50)

Jeder und jede von uns hatte oder hat je nach Lebensalter den Traum von einem gelingenden Leben. Und dazu gehört immer auch ein Beruf, der uns Freude macht, ein Beruf, in dem wir unsere Begabungen und erworbenen Fähigkeiten einsetzen können, ein Beruf, der uns Bestätigung und Anerkennung verschafft. Von einem solchen Traum erfüllt zu sein, ist keine Traumtänzerei, sondern Teil einer positiven Lebenseinstellung. Doch je knapper die Lehrstellen, je häufiger die Absagen, je größer die Enttäuschung bei den Jugendlichen, desto eher zerbricht dieser Traum von einem Beruf, der nicht nur die Existenz sichert, sondern das eigene Leben mit Sinn erfüllt.

Viele Jugendliche können heute nicht mehr frei auswählen. Sie müssen froh sein, überhaupt eine Lehrstelle zu bekommen. Natürlich kann man sich mit dem Satz trösten: "Auch aus einer zweiten Wahl kann eine ordentliche berufliche Karriere werden". Will sagen: Auch wer seinen Traumberuf nicht oder nicht sofort erreicht, mag über manchen Umweg eine erfüllende berufliche Tätigkeit finden.

Auf keinen Fall sollten wir aufhören, unser Leben und unseren Beruf zu träumen. Denn Träume setzen Energien frei. Auch wenn es abgedroschen klingen mag, das Körnchen Wahrheit bleibt in der Aussage, unabhängig von den Erfahrungen, die wir jeweils machen: Beruf und Berufstätigkeit hat viel mit einer inneren Bereitschaft, ja mit einer inneren Berufung zu tun, mit dem bestimmten Gefühl: "Das ist meine Sache. Hier bin ich richtig, hier gehöre ich hin. Hier kann ich gute Leistungen erbringen, hier fühle ich mich wohl und werde anerkannt."

Jugendliche werden in der Regel nicht in eine Lehrstelle berufen. Doch auch so etwas kann es geben: Es war bei der Ausbildungsmesse des Hamburger Handwerks im Rathaus Harburg. Eine Schülerin interessierte sich für den Friseurberuf und kam mit der Chefin eines Salons ins Gespräch. Am Ende des Gespräches bot sie dem Mädchen eine Lehrstelle an. Auf die Frage, warum sie gerade dieser Schülerin ein Angebot gemacht habe, antwortete sie: "Die paßt zu uns." Auch so kann es gehen.

Liebe Gemeinde, das Thema dieses Gottesdienst lautet: Ein Beruf für's ganze Leben. Fragezeichen. Ausrufezeichen. Früher war das so. Man erlernte einen Beruf und konnte davon ausgehen, ein Leben lang darin zu arbeiten, vielleicht sogar in ein und derselben Firma. Die Zeiten haben sich gewandelt. Für die Jüngeren gibt es diese Sicherheit immer häufiger nicht mehr. Diese Situation kann zu Existenz- und Zukunftsängsten führen, bietet aber auch neue Chancen. Das Wort vom "lebenslangen Lernen" macht die Runde. Das bedeutet: Wer heute eine Lehre durchläuft und anschließend in dem erlernten Beruf arbeitet, sollte nicht nur bereit sein, sich immer wieder fortzubilden; das ist auch heute schon so. Er sollte zudem Kraft und Elan haben, vielleicht mit 30, 40 oder 50 Jahren noch einmal umzuschulen und sich für neue berufliche Tätigkeiten zu qualifizieren.

Vor nicht allzu langer Zeit war der Beruf des Druckers noch begehrt und hochbezahlt. Heute wird dieses Berufsfeld weitgehend von Tätigkeiten wie denen der Mediengestalter ersetzt. Oder: Bei Jungen war und ist einer der ersehntesten Berufe der Kfz-Mechaniker. Dieses Berufsbild wird heute zunehmend verdrängt durch den Mechatroniker. Warum? Weil jedes neue Auto heute vollgestopft ist mit Elektronik. Da wird nicht mehr viel geschraubt, umso mehr aber geprüft und gemessen. So könnte es sein, daß zukünftige Berufstätigengenerationen zu erfahrenen "Patchworkern" werden. Sie haben eine Berufsbiographie, die nicht mehr einfarbig ist, sondern bunt und aus vielen farbigen Elementen besteht: Lehre, Gesellenprüfung, Berufstätigkeit, Fort- und Weiterbildung, Umschulung, neue Berufstätigkeit, Kinderpause, temporäre Arbeitslosigkeit, Wiedereinstieg usw.. Das werden und sind schon Berufsbiographien, zu denen auch Brüche gehören. Es könnte so sein, daß zukünftig solche Brüche und Neuanfänge einen Menschen positiv auszeichnen und qualifizieren gegenüber denen, die stets nur in einer einzigen Sparte tätig waren und nie etwas riskiert und neu begonnen haben. Ein solcher Weg erfordert Aufgewecktheit, Einsatzfreude und Leidenschaft.

Auszug aus einem Gottesdienst am 04.07.2004 in der Auferstehungsgemeinde, Hamburg-Lurup, Ansprache von Pastor Harald Schrader (KDA)