Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Spitzengespräch von Nordkirche und DGB Nord

„Solidarität und Integration als gesellschaftliche Herausforderung“ Lübeck (gb/std), 22. Juni 2016. Für mehr Solidarität und Integration wollen sich die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) und der Deutsche Gewerkschaftsbund Bezirk Nord (DGB Nord) gemeinsam einsetzen.

Das haben Vertreter von Kirche und Gewerkschaft heute (22. Juni) bei einem Spitzengespräch in Lübeck zum Thema „Zwischen Willkommenskultur und sozialen Abstiegsängsten: Solidarität und Integration als gesellschaftliche Herausforderung“ bekräftigt.

„Die herzliche Aufnahme von Geflüchteten in Deutschland zeigt, dass viele Menschen solidarisch sein wollen und Zuwanderung als Chance sehen“, heißt es in einer im Anschluss veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme von Gewerkschaftern und Kirchenvertretern. „Wir nehmen aber die Ängste ernst, die vielfach im Zusammenhang mit den Geflüchteten artikuliert werden. Eine Hauptursache ist die wachsende soziale Ungleichheit.“ Die Gesprächspartner warnen zugleich vor einer Spaltung der Gesellschaft durch Versuche, die soziale Frage mit der Ausgrenzung ethnischer Gruppen und der Wiederbelebung völkischer Ideale zu beantworten: „Dem stellen sich Gewerkschaften und Kirche gemeinsam entgegen.“

Nordkirche und DGB Nord wollen zudem die im Februar gegründete „Allianz für Weltoffenheit“, ein breites, bundesweites Bündnis gesellschaftlicher und religiöser Gruppen, weiter stärken. Sie rufen dazu auf, vor Ort in Landkreisen, Städten und Gemeinden konkrete Vorhaben zu verabreden. Die „Allianz für Weltoffenheit“ tritt u.a. für stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt, eine sachlich und lösungsorientiert geführte Flüchtlings- und Einwanderungsdebatte, für solidarische und nachhaltige Politik und gerechte Teilhabechancen, für den Schutz der Grundrechte sowie gegen menschenfeindliche Äußerungen und Handlungen ein. (www.allianz-fuer-weltoffenheit.de)

Landesbischof Gerhard Ulrich hob am Rande des Spitzentreffens hervor: „Jesus selbst identifiziert sich mit den Benachteiligten, Verfolgten und Flüchtenden. Er ist an der Seite derer, die fliehen vor Hass und Krieg, vor Elend und Gewalt; an der Seite derer, die ihnen Zuflucht, Beheimatung und Integration ermöglichen. Wir sind nicht frei, Solidarität in der Gesellschaft nur auf die zu begrenzen, die schon immer hier waren. Dass Flucht und Migration unser Land verändern, ist nicht neu. Wir Christen gestalten diese Veränderung mit, ermutigt von Gottes Ruf: Fürchtet euch nicht! – Nicht vor den Fremden; nicht vor den Veränderungen; nicht vor den eigenen Ängsten.“

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord, sagte: „Ängste und Sorgen haben Ursachen, sie wachsen auch durch prekäre Beschäftigung, Niedriglöhne und zunehmende soziale Ungleichheit. Die Spaltung in Arm und Reich zerstört Zusammenhalt. Eine veränderte Arbeitswelt durch digitalen Wandel, globale Krisen und Migrationsbewegungen verunsichern manche. Die Politik muss darauf reagieren und aktive Politik für die Menschen machen. Das ist die beste Antwort gegen Rechtspopulisten, die Geflüchtete zu Sündenböcken machen wollen. Deshalb wollen wir auch gemeinsam mit den Kirchen für Steuergerechtigkeit eintreten – sie ist eine Grundlage für praktizierte Solidarität und Nächstenliebe, denn Teilhabe, Chancen und soziale Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Nur mit solidarischen Lösungen hat diese Gesellschaft eine gute Zukunft.“

Grundlage der Diskussion beim diesjährigen Spitzengespräch waren Impulsreferate der Politikwissenschaftlerin Dr. Henriette Litta, Mitglied der Geschäftsführung des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), Berlin, sowie von PD Dr. Ralf Ptak, wirtschaftswissenschaftlicher Referent des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) der Nordkirche.

Die Stellungnahme von DGB Nord und Nordkirche im Wortlaut finden Sie als PDF-Datei hier zum Herunterladen.