Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Renaissance des Dorfladens

Das KDA-Projekt "Solidarische Ökonomie" trägt Früchte

Am 1. Februar 2015 fiel der Startschuss für das dreijährige KDA Projekt „Solidarische Ökonomie“. Die Verantwortung für das Projekt in Mecklenburg-Vorpommern hat Christian Peters übernommen.

Unter der Federführung des Volkswirtes und Sozialökonom leistet das Projekt einen Beitrag zur Stabilisierung der strukturschwachen Räume vor Ort.
Gemeinsam mit Kirchgemeinden werden Perspektiven für die ökonomische Entwicklung von geeigneten Standorten initiiert, entwickelt und umgesetzt. Das umfasst neben der Moderation der Prozesse der Bürgerbeteiligung auch die Beratung für Finanzierung und Antragstellungen und andere prozessbegleitende Schritte.


Die Umsetzung der jeweiligen „Projekte“ an einem Standort setzt dabei zentral auf die Beteiligung auf Augenhöhe anderer Partner vor Ort. Potenzielle Partner sind neben den Kommunen, die Wirtschaft vor Ort und last but not least die Zivilgesellschaft. Ein weiterer Aspekt innerhalb der Beteiligung stellt die Inklusion von Menschen, die zurzeit von Arbeitsprozessen ausgeschlossen dar. Auch sie sollen - so weit wie möglich - in den Projekten der „inklusiven“, kooperativen Wirtschaft vor Ort einen Platz finden.


Neues Leben für den Dorfladen in Bernitt

Der Bedarf für das Projekt „Solidarische Ökonomie“ und die damit verbundene Gestaltung strukturschwacher Räume ist groß. Das zeigte sich schnell. Die Dorfladeninitiative in Bernitt bei Bützow (Landkreis Rostock) kam auf Herrn Peters zu. In der Initiative, die den kürzlich geschlossenen Dorfladen wieder eröffnen möchte, haben sich zahlreiche Bernitter Bürgerinnen und Bürger zusammengeschlossen. Eine initiierende Rolle spielte dabei der aktive Verein „Kirche bewegt“. Unterstützung gibt es auch seitens der Bürgermeisterin und die Gemeindevertretung.

Träger des entstehenden Dorfladens ist­­­­­­­ seit dem 1. Juni 2015 eine Bürgergenossenschaft mit dem Namen „Bernitter Dorfladen eG“. Die Initiatoren wollen möglichst viele Bernitter für den Dorfladen zu begeistern und sie als Mitgenossen in die Genossenschaft zu gewinnen und aus der Idee einzelner Bürger den „Dorfladen für alle Bernitter“ zu machen.

Das Ziel der Genossenschaft ist es in erster Linie, eine Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs, mit einem Schwerpunkt auf regionalen Produkten, zu schaffen. Mit dem Dorfladen entsteht ein ortsnahes Angebot für die Sicherung der Grundbedürfnisse der Einwohner insbesondere der älteren Menschen. Auch soll für junge Menschen ein weiterer Anreiz geschaffen werden, sich für den Zuzug nach Bernitt zu entscheiden. 

Der Dorfladen in Bernitt steht für vieles. Er schafft nicht nur Einkaufsmöglichkeit im Ort, sondern sorgt auch für ein neues "Wir-Gefühl". Vergleichbar mit der neuen Dorfladenbewegung in Deutschland wird der Laden auch als wichtiger Treff- und Kommunikationspunkt gesehen. Es braucht einen Raum, der auch zum Klönen und gemeinsamen Verweilen einlädt.

Der „Bernitter Dorfladen eG“ ist nur der Anfang. Weitere Pläne für nächste Projekte der Dorfladeninitiative sind bereits gemacht worden: So planen die Organisatoren der Initiative eine kleine Touristeninformation, ein Restaurant für Mittagsgäste und eine Bibliothek in der Dorfmitte.


Die Renaissance des Dorfladens

Die neue Dorfmitte mit den ökonomischen und sozialen Angeboten will den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft stärken und die Lebensqualität im ländlichen Raum, insbesondere auch für ältere Menschen, sichtlich erhöhen. Sie möchten Treffpunkte, Läden, Cafe’s, Kulturangebote schaffen. Ein weiterer Grund für die Renaissance des Dorfladens liegt darin, dass das Durchschnittsalter auf den Dörfern stark ansteigt und die älteren Menschen aufgrund eingeschränkter Mobilität eher Angebote vor Ort brauchen.

Die Erfahrung von Herrn Peters zeigt deutlich: Hier besteht der größte Bedarf der ländlichen Gemeinden. Die Menschen arbeiten nicht mehr vor Ort, sondern pendeln bzw. sind zum Teil auch arbeitslos. Dadurch verschwanden „Räume“ der Integration (z. B. LPGs, Gasthöfe, Clubs, Dorfkinos).

Gefördert wird das Projekt jetzt in erster Linie durch das Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommern und durch LEADER-Mittel. Durch ehrenamtliche Arbeitseinsätze werden die Kosten zur Herrichtung des Gebäudes dabei gering gehalten. So werden das Streichen von Wänden, das Aufbauen von Mobiliar sowie das Einräumen der Regale von Ehrenamtlichen übernommen. Die Eröffnung des Ladens ist für Frühjahr 2016 geplant.

Noch mehr Wissenswertes über das KDA Projekt „Solidarische Ökonomie“


Neben dem Dorfladen unterstützt Herr Peters in verschiedenen Orten den Aufbau einer Tagespflege, die Planung eines gastronomischen und kulturellen Treffpunkts und das Konzept einer lokalen Tauschökonomie. Das Projekt „Solidarische Ökonomie“ ist außerdem gemeinsam mit der Evangelischen Akademie der Nordkirche Partner im Forum „Ländliche Entwicklung Mecklenburg-Vorpommern“. Weitere Partner sind das Steinbeis-Transferzentrum für angewandte Landschaftsplanung an der Universität Rostock, die Forschungs-GmbH an der Hochschule Wismar, das Neubrandenburger Institut für kooperative Regionalentwicklung und die Akademie für Nachhaltige Entwicklung M-V. Projektträger und Geschäftsstelle des Forums ist die Landgesellschaft  M-V.

Dieses von der Landesregierung geförderte Forum ist ein Informations- und Kompetenzzentrum für die ländliche Entwicklung. U. a. wird hier  passgenaue Beratung auf kommunaler Ebene angeboten und die Vernetzung der relevanten Akteure auf dem Gebiet unter Einbeziehung der wissenschaftlichen Ressourcen im Land vorangetrieben.

Insbesondere wirkt das Forum unterstützend dabei, kreative Ideen zur Bewältigung aktueller Herausforderungen in ländlichen Räumen zu entwickeln und deren Umsetzung zu realisieren.

Ziel ist in diesem Rahmen auch, die gesellschaftliche Diskussion über bürgerschaftlich initiierte, bedarfsorientierte Wirtschaftsweisen anzuregen, z. B. in Form von Gesprächskreisen bzw. „Salons“  mit Partnern aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft.

Kontaktdaten:

Christian Peters, Tel. 0381 – 37 56 853
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