Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

RÜCKBLICK 3.11.2015

Handel(n) auf Augenhöhe. Die Zeit ist reif für anderes Wirtschaften. Diese Sehnsucht haben viele.

Aber es gibt auch Menschen und Unternehmen, die schon jetzt neue Wege im Umgang mit Ressourcen, Mitarbeitenden und Kunden pflegen.

Gemeinsam mit Uwe Lübbermann (Premium Cola), Christian Voigt (Süd-Nord-Kontor) ,  Thomas Becker (Atelier für Schmuck, Obermeister der Hamburger Gold- und Silberschmiede-Innung) und Gästen diskutierten wir, wie  „anders wirtschaftende“ Unternehmen funktionieren.  Was tun sie, wenn sie  besonderen Wert auf die Beteiligung und Berücksichtigung der Interessen von Produzenten / Lieferanten, Kunden und Mitarbeitenden legen? Wir fragten nach Erfahrungen, Werten und Überzeugungen, sowie  nach möglichen Schnittmengen und der Übertragbarkeit der Konzepte auf andere Bereiche.

Nach kurzen Impulsvorträgen zum jeweiligen Unternehmen durch die Referenten folgte die von Dr. Anke Butcher engagiert moderierte Diskussion.

Uwe Lübbermann von Premium Cola gab einen Einblick zur Unternehmensführung  als Internet-Kollektiv nach dem Prinzip der Konsensdemokratie. Premium Cola stehe dafür, dass Moral und Wirtschaft sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern zusammen funktionieren können.

Der "Zentrale Moderator" von Premium Cola will gemeinsam mit den inzwischen 1680 „Beteiligten“ ein faires, ökologisches und sozial tragfähiges Wirtschaftsmodell in hoher Qualität vorleben und verbreiten. Es gäbe nicht „den“ einen idealen Weg für den Wandel, erklärte er. Es seien vielmehr Schritte praktisch überall möglich. Entscheidend sei es jedoch, einen zu gehen, resümierte der Unternehmer Lübbermann.  

Das Atelier von Herrn Thomas Becker steht für handgefertigten Schmuck aus ecofairen Edelmetallen. Nachhaltigkeit, Ehrlichkeit und eine hohe Qualität der Materialien u.a. seien Grundwerte des Leitbildes, das von dem Goldschmied und seinem Team entwickelt wurde und sie leiten. Der Begriff "Ecofair" steht für den Goldschmied in Zentrum für die von ihm verarbeiteten Materialien. Er verbinde damit zwei wichtige Kriterien: ökologische Gewinnung und fairer Handel.

„Der Mensch lebt nicht für sich (und seine Interessen) allein!“, betonte der Referent und sagte deutlich: „Wir, Menschen haben nur eine Zukunft, wenn wir unsere existenzielle, gegenseitige Abhängigkeit und unsere enorme, gemeinsame Gestaltungskraft  erkennen und leben.“ Mit Blick auf die immer größer werdende Wirtschaft spiele die Verbundenheit mit seinen Mitarbeitern, Lieferanten, Kunden, Kollegen (Konkurrenz - was soll das?) und Nachbarn (global) eine zentrale Rolle. Er habe den Anspruch auf Augenhöhe zu leben.

 Christian Voigt vom Süd-Nord Kontor:
„Es geht uns Mitarbeitenden im Süd-Nord Kontor darum, mit dem Fairen Handel die Lebens- und Arbeitsbedingungen von unseren Partner-Produzent/innen in den Ländern des Südens zu verbessern und einen global gerechten Handel möglich zu machen. Wirtschaftlich gemeinsames Handeln auf Augenhöhe mit Transparenz für alle Beteiligten ist für uns unabdingbar.“

Für uns war „Handel(n) auf Augenhöhe" eine gelungene Veranstaltung. Wir danken allen Gästen und Mitwirkenden für ihre Teilnahme & ihr Kommen. Das Interesse an dem Thema seitens der Anwesenden war groß und es gab eine rege Diskussion. Auch beim anschließenden Netzwerken zeigte sich, dass die Frage nach dem WIE des „anderen Wirtschaften“ neue Herausforderungen aufwirft und es ein Weiterdenken bzw. Umdenken in den Köpfen braucht. Dr. Anke Butscher konnte es nicht trefflicher formulieren. Sie sagt zusammenfassend, dass „ Handel auf Augenhöhe couragierte Unternehmer brauche, die den Weitblick für das Globale haben und Macht auf den Kopf stellen wollen“.

Hier noch ein paar  Impressionen von dem Abend: